12.05.2016

Zeidner Gesprächskreis (ZOG) tagte in Schwäbisch Gmünd

Da in Schwäbisch Gmünd und Umgebung eine Vielzahl von Siebenbürger Sachsen wohnen, darunter auch viele gebürtige Zeidner, hatten die beiden ZOG-Organisatoren Udo Buhn (Geretsried) und Helmuth Mieskes (Böbingen) in diesem Jahr zum 20. ZOG nach Schwäbisch Gmünd ins evangelische Augustinus-Gemeindehaus eingeladen. (der 2. ZOG fand übrigens 1999 auch in Schwäbisch Gmünd statt). 

Das Vormittagsprogramm wurde Zeiden-spezifischen Themen gewidmet. Unter anderem konnte Udo Buhn die Entstehung des Zeidner Museums (das „Museum der Zeidner Traditionen“ wird am 13. Mai 2016 mit aktiver Unterstützung der  Nachbarschaft in Deutschland in Zeiden eröffnet) chronologisch, mittels einer gelungenen Power-Point Präsentation, vorstellen und dabei unter anderem auch  auf seine gedanklichen Anfänge im Jahr 1990 und die Bedeutung dieser neuen kulturellen Bereicherung für die Stadt Zeiden verweisen. Dabei vergaß er nicht, die gute Zusammenarbeit mit dem amtierenden rumänischen Bürgermeister und den städtischen Angestellten in den beiden letzten Jahren zu erwähnen und sich bei den bisherigen Spendern von musealen Exponaten zu bedanken.  

Carmen Kraus (Landsberg) stellte die Idee eines aktiven Literaturkreises vor,  der die Zeidner Schreibenden zusammenführen soll. Dabei ermunterte sie all diejenigen, die auch ohne Germanistik- und Literaturstudium befähigt sind, diesem Literaturkreis beizutreten, um als Autor von Geschichten und/oder Gedichten ihr literarisches  Können unter Beweis zu stellen.

Um den Zuhörern zu vermitteln, worum es geht, nützte Heidenore Glatz die Gelegenheit, Carmens Idee mit einem Gedicht und einem Textbeitrag (Erinnerungen an die Schlittenfahrt in Zeiden) aufleben zu lassen.

Helmuth Mieskes referierte über das Projekt der Nachbarschaft „Die Aussiedlung aus Zeiden“, bei dem er auf die Wichtigkeit der geschichtlichen Aufarbeitung Wert legte und  für eine verstärkte Mitarbeit der Zeitzeugen warb. Mieskes begründete seine Feststellung und reihte die Aussiedlung der Deutschen aus Rumänien in den Jahren 1964-1993  in die Reihe der epochal wichtigsten, geschichtlichen Ereignisse der Geschichte der Siebenbürger Sachsen ein. Am Beispiel seiner Erinnerungen an die Ausreise seiner Familie im Jahr 1972, die er auszugsweise vortrug, versuchte Mieskes dazulegen, wie wichtig es ist, sich als Mitbetroffener an diesem Projekt zu beteiligen. Ein dazu erstellter Fragenkatalog (Download in PDF-Format) mit über 200 Fragen soll helfen, die eigenen Erinnerungen wach zu rufen und niederzuschreiben. 

Mit den künftigen Zielsetzungen des ZOG’s und dem Hervorheben der bisherigen, bedeutsamen Publikationen (Heft 1-19) in der Schriftenreihe „Zeidner Denkwürdigkeiten“  wurde am Vormittag auch all denjenigen gedankt, die bisher dem Gesprächskreis seit 1998 die Treue gehalten und aktiv mitgearbeitet haben.

Den Hauptvortrag am Nachmittag „Kirche im Verständnis der Bischöfe Viktor Glondys und Wilhelm Staedel“ hielt Dr. Ulrich A. Wien vom Institut für Evangelische Theologie Koblenz/Campus Landau. In seiner Eigenschaft als Kirchenhistoriker und mit der Kirchengeschichte Siebenbürgens bestens vertraut, referierte er unter Einbezug seiner neusten Forschungsergebnisse über eines der schwierigsten Kapitel der Sachsengeschichte während der Zeit des Nationalsozialismus. Mit seinem kirchenspezifischen Vortrag über die beiden Bischöfe der besagten Zeit (1932-1944) beleuchtete Dr. Wien genau den Zeitraum, in dem die Siebenbürger Sachsen in den Sog und dann in die Abhängigkeit des nationalsozialistischen Deutschen Reiches  gerieten, um später, nach dem 23. August 1944, gemeinschaftlich als Kollaborateure Hitler-Deutschlands, bestraft, enteignet und entrechtet zu werden.

Wert legte Dr. Wien bei seinen Ausführungen auf die präzise Darstellung der damaligen vom Reich gesteuerten „Amtsenthebung“ V. Glondys (1940) und der sich anschließenden Wahl von Bischof W. Stadel, (1941), einer „Marionette der Nationalsozialisten“, der sich in der Folgezeit als Bischof fast uneingeschränkt den Ansprüchen der Volksgruppenführung unterordnete. Durch die Präzisierung seiner Ausführungen  gelang es Dr. Wien, die damaligen sehr schwierigen Machtverhältnisse innerhalb der Landeskirche gut sichtbar darzustellen. Dabei lieferte er markante Beispiele der Auseinandersetzung Bischof Glondys mit der Volksgruppenführung der Deutschen in Rumänien unter Andreas Schmidt, erwähnte die  Anfeindungen von NS-Ideologen der Kirche gegen Glondys und wies auf die zunehmende NS-Verstrickung der Landeskirchenversammlung im Jahr 1940/41 hin.

Dr. Wien verstand es,  trotz dieser schwierigen und durchaus auch heiklen Materie, die Geschehnisse während der Volksgruppen- und Kriegszeit in Siebenbürgen, in Erinnerung zu rufen und dabei ein genaues Bild der Evangelischen Landeskirche A.B. in Rumänien, speziell in Siebenbürgen, wo die Fäden während der Volksgruppenzeit und des Zweiten Weltkrieges gezogen wurden, abzugeben. Auch wenn der Vortrag nicht spezifisch auf Zeiden abgestimmt war, berührte das Rundschreiben Z. 924 des Landeskonsistoriums (Amtsenthebungsverfahren) vom 14. Februar 1936 auch Zeiden.  Leider reichte die Zeit nicht, um auf die Zerwürfnisse in Zeiden beim damaligen Pfarrerwechsel  näher einzugehen.

In der Hoffnung, dass diese Art der fundierten Geschichtsdarlegung in einem der nächsten Gesprächskreise weiter fortgesetzt werden kann, wurde der Gesprächskreis  mit dem Dank an den Referenten, der übrigens seit 2011 Vorsitzender des Arbeitskreises für Siebenbürgische Landeskunde (AKSL) ist, abgeschlossen.

Helmuth Mieskes, Böbingen

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