14.02.2016

Lokalforum der Deutschen in Zeiden – immer wieder für eine Überraschung gut

Als nach den turbulenten Dezembertagen 1989 in Zeiden gleich am 2. März 1990 das Lokalforum der Deutschen gegründet und ein Vorstand demokratisch gewählt wurde, hatte man die stille Hoffnung, dass  mit ihrem neu gewählten Vorsitzenden Arnold Aescht und seinen Mitstreitern im Vorstand, Dipl. Ing. Peter Foof, mit Prof. Georg Schirkonyer, Kirchenvater Erwin Göbbel und Gerhard Gruber, mit viel Idealismus ausgestattete Interessenvertreter gewählt wurden, die u.a. über ein Stadtratmandat (Arnold Aescht) die reele Chance sahen, die Interessen der Deutschen (damals zählte die evang. Kirchengemeinde noch 1090 Seelen) weitgehend zu vertreten. Ihre neuen Aufgabenfelder und Absichten schienen von Anfang an gut abgesteckt und wohl überlegt zu sein.

Dabei richtete sich das Augenmerk der Vorstandsmitglieder vor allem auf die dringend zu lösenden Unterrichts- und Kulturfragen und auf die Pflege des siebenbürgisch-sächsischen Brauchtums. Und obwohl die Gruppe der Ausreisewilligen zahlenmäßig nicht abnahm, ging das Lokalforum beherzt ans Werk und vermittelte den Dortbleibenwollenden ansatzweise, positive Perspektiven fürs Bleiben. Doch für viele waren die Würfel längst gefallen. Die Ausreise war bereits eine geplante Sache. Und so war es nur eine Frage der Zeit, bis sich die Zahl der Bleibenden halbierte und das Forum zahlenmäßig nie über eine gewisse Mitgliederzahl hinauskam.

Wir von der Zeidner Nachbarschaft sahen Anfang der neunziger Jahre durch die gute Mischung im Vorstand des Lokalforums nicht nur die deutsch/sächsischen Bevölkerung von Zeiden gut vertreten, sondern auch die evang. Kirchengemeinde als öffentliche und vor allem eigenständige Körperschaft.  Arnold Aescht wurde ein paar Monate später (17. Mai 1990) zum Kurator der Kirchengemeinde gewählt und Pfarrer Heinz-Georg Schwarz konnte sein Amt als Stadtpfarrer in Zeiden am 8. Juli 1990 antreten. Dieses gemeinsame  Zusammenwirken schien uns damals wichtig und so hofften wir, dass Kirchengemeinde und Deutsches Forum nach außen hin als Einheit auftreten würden.

In den Anfangsjahren funktionierte das ganz gut, das Forum wurde in der Öffentlichkeit als Interessenvertreter wahrgenommen, ihre Vertreter durften mitreden und besonders im schulischen Bereich  wurden weitsichtige Entscheidungen getroffen, bei denen durchaus die Handschrift der Forumsvertreter zu erkennen war. So beobachteten wir interessiert aus der Ferne, wie sich das Forum in Zeiden entwickelte und welche Akzeptanz es besonders in der Bevölkerung im Laufe der Jahre  erlangt hatte.

Vieles verlief unspektakulär ab und mit der Berichterstattung im Zeidner Gruß hatten wir die Möglichkeit, auf die Aktivitäten des Forums immer wieder aufmerksam zu machen und sein Dasein in Erinnerung zu rufen. Spätestens als Arnold Aescht  in den Vorstand des Demokratischen Forums der Deutschen im Kreis Kronstadt (DFDKK) gewählt wurde, fand das Zeidner Forum auch in Kronstadt Anerkennung und gelegentliche Erfolge im wirtschaftlichen, sozialen und kulturellen Bereich, ließen zumindest für einige darauf schließen, dass der 1990 in Zeiden eingeschlagene Weg der richtige war.

Den anderen wiederum war die Machtfülle Arnold Aeschts - Kurator, Vorsitzender des Forums, Mitglied im Zeidner Stadtrat und Mitglied im Vorstand des DFDKK – und die mangelnde Kooperationsbereitschaft mit Andersdenkenden, spätestens nach einigen Jahren, ein Dorn im Auge. Und so blieb es nicht aus, dass nach der Jahrtausendwende Unruhe im Lokalforum aufkam. Diverse Meinungsverschiedenheiten grundsätzlicher Art zwischen Arnold Aescht und dem politisch ambitionierten „Jugendvertreter“ Erwin Albu trugen dazu bei, dass eine Missstimmung aufkam, die nach außen hin dem Ansehen des Forums zunehmend schadete.

Und so kam es, wie es kommen musste. Arnold zog sich aus der Lokalpolitik zurück, gab den Vorsitz im Forum ab und so schlummerte das Lokalforum als politische Vertretung der Deutschen in Zeiden einige Jahre lang vor sich hin. Mit der Wahl Erwin Albus zum Vorsitzenden des Lokalforums im Jahr 2004 begann sich die Ausrichtung der Arbeit des Forums grundlegend, aber leider negativ zu verändern. Eine gedeihliche Zusammenarbeit mit der evang. Kirchengemeinde und dem Presbyterium war plötzlich nicht mehr vorhanden – und das obwohl mit ihm und Rudolf Rekkert zwei Vertreter des Lokalforums in Stadtrat vertreten waren. Damit wurde die eigentliche, auch von uns hier in Deutschland erwartete Vertretung der Interessen der Deutschen in Zeiden, zu Grabe getragen. Ohne Kooperation mit der Kirchengemeinde, besonders in gemeinschaftlichen Dingen, sahen sich nur wenig Sachsen in Zeiden durch das Deutsche Lokalforum politisch ausreichend und vor allem zufriedenstellend vertreten.

Spätestens als Erwin Albu sich leidenschaftlich der Kommunalpolitik in Zeiden zuwandte, mit spektakulären Auftritten und mit durchaus erwähnenswerten Aktionen auf sich aufmerksam machte und seine Ambitionen auf das Bürgermeisteramt offen legte, war selbst dem Letzten klar, dass er das Forum lediglich als „Steigbügel“ in die Kommunalpolitik benützt hatte.

Doch auch diese Episode auf der Zeidner kommunalpolitischen Bühne – die durchaus bemerkenswerte Schlagzeilen nach sich zog - war von kurzer Dauer und nicht gerade von Erfolg gekrönt. Das Forum beschäftigte zwar die Öffentlichkeit und die Presse, aber dabei stand nicht die Arbeit der Interessenvertreter im Vordergrund der Berichterstattung, sondern immer wieder die Person Erwin Albu. Bei der Bürgermeisterwahl 2008 errang Erwin Albu gegen den Amtsinhaber Alexandru „Puiu“ Popa zwar ein beachtliches Ergebnis, doch die Wertigkeit des Forums nahm in der Öffentlichkeit zunehmend ab.

Es folgten Zerwürfnisse, Manipulationen, ja sogar Wahlfälschungen. Doch damit nicht genug. Besonders mangelndes Demokratieverständnis innerhalb des Forums trug dazu bei, dass der am 3. März 2011 neu gewählte Vorstand mit Erwin Albu als Vorsitzendem seine Arbeit nicht aufnehmen wollte. Durch den Rückzug drei gewählter Vorstandsmitglieder, die nicht bereit waren mit Albu zusammen zu arbeiten, konnte der Vorstand seine Arbeit nicht aufnehmen. Erwin Albu wurde damit indirekt gezwungen, von seinem Amt  zurückzutreten. Mit seinem Rücktritt im Juni 2011 machte er plötzlich den Weg frei für Paul Iacob. Damit hatten die „Turbulenzen“, die das Forum besonders in den beiden letzten Jahren bestimmt hatten, endlich ein Ende.

So wurde Paul Iacob am 16. Februar 2012 zum dritten Vorsitzenden des Lokalforums gewählt. Damit war endlich der Weg frei für einen Neuanfang, den er gemeinsam mit den Vorstandsmitgliedern Andrea Miron, Zoltan Barabas, Klaus Dieter Untch und Horst Schuller, bereit war zu gehen. Im Gegensatz zu Erwin Albu stellte Iacob die Stärkung des Gemeinschaftsgefühls in den Vordergrund seiner Bemühungen und versuchte von Anfang an, das in Zeiden vorhandene Potenzial zu nützen. Dabei galt es vor allem vorhandene Spannungen zu überwinden und ein gut funktionierendes Forum neu aufzubauen.

Gemeinsam mit seinen Mitstreitern, allen voran Klaus Dieter Untch, gelang ihm das dann auch. Der Neuanfang war geglückt, zumal man aus Fehlern der Vergangenheit gelernt hatte. Das kommunalpolitische Engagement trat in den Hintergrund, dafür nahmen die Gemeinschaftsaktivitäten und interessanten Gruppenangebote erfreulicherweise zu. Endlich war innerhalb des Forums sichtbar Ruhe eingekehrt und wir als Außenstehende hatten das Gefühl, dass man der eigentlichen Zielesetzung - die Gemeinschaft in den Mittelpunkt zu stellen - immer näher kam und dass diese Zielsetzung  von der Mehrheit akzeptiert wurde.

Am 27. März 2014 wurde Paul Iacob mit großer Mehrheit wiedergewählt. Zum neu gewählten Vorstand zählten damals Sandra Nicolescu, Günther Kraft, Arnold Mechel, Otto Istok,  Zoltan Barabas und Klaus-Dieter Untch. Mit der Wahl Paul Iacobs in den Vorstand des DFDKK hatte Zeiden ab März 2014 auch wieder einen Vertreter im Kreisforum in Kronstadt. Was nach wie vor fehlte, war ein Stadtratmandat.

Bild: Sandra Nicolescu

Im Dezember 2015 trat Paul Iacob aus persönlichen Gründen kurz vor Ablauf seiner zweiten Amtszeit als Vorsitzender von seinem Amt zurück. Dieser Rücktritt kam für die Vorstandsmitglieder wohl sehr überraschend, denn die Vorbereitung einer ordnungsgemäßen Mitgliederversammlung, bei der Neuwahlen auf der Tagesordnung standen, verlief alles andere als gut vorbereitet (s. Beitrag in der ADZ vom 28. Januar 2016). Statt sich z.B. im Vorfeld auf einen Kandidaten des amtierenden Vorstandes zu einigen, um den Mitgliedern gegenüber Geschlossenheit unter Beweis zu stellen, kam es u.a. zur Stichwahl zweier Kandidaten– die dann nur einen Sieger haben konnte. Sandra Nicolescu (Kurzbiografie) gewann die Wahl und Klaus Dieter Untch, der sich im Vorfeld dieser Vollversammlung sicherlich Hoffnungen auf den Vorsitz gemacht hatte, hatte plötzlich das Nachsehen.

Sein anschließender, spontaner Rücktritt aus dem Vorstand - der in erster Linie mit der verständlichen Enttäuschung über den Ausgang der Wahl zu tun hat, ist sicher nachzuvollziehen. Vielleicht hätte er sich für diese Entscheidung etwas mehr Zeit lassen sollen, denn das Forum braucht gerade Menschen wie ihn, die mit neuen Ideen und mit Engagement das Forum beleben und dazu beitragen, die Zielsetzung von 2012 nicht aus den Augen zu verlieren.

Es ist schade, dass gerade er, der für den wahrnehmbaren Erfolg der letzten Jahre mitverantwortlich ist, bei dieser Wahl am 21. Januar 2016 über seine ungeschickte Handlungsweise gestolpert ist und ihm die Mitglieder bei der Wahl die Gefolgschaft verweigert haben. Gemessen an seinem bisherigen langjährigen Engagement hätte er es durchaus verdient gehabt, diesem Forum vorzustehen und die Arbeit von Paul Iacob erfolgreich weiterzuführen. 

Der neuen Vorsitzenden Sandra Nicolescu gratulieren wir ganz herzlich zu ihrer, für uns überraschenden, Wahl und hoffen, dass sie die in sie gesetzten Erwartungen unter veränderten, sicher schwierigen Bedingungen erfüllen kann.

Besonders würde es uns freuen, wenn Klaus Dieter Untch in den nächsten Wochen/Monaten, seinen Rückzug aus dem Vorstand überdenkt, dabei über seinen Schatten springt und dem Forum auch in Zukunft mit seiner Energie, seinem Wissen und seinem unermüdlichen Engagement zur Seite steht. Denn eines ist klar: Besonders er war es, der in den letzten Jahren das belebende Element dieser deutschen Interessengemeinschaft in Zeiden war und gemeinsam mit Paul Iacob nach 2012 die Wende in der leidvollen Geschichte des Forums eingeleitet hat.

Helmuth Mieskes, Böbingen