Genauso hatte ich es mir vorgestellt: etwa dreißig ambitionierte
Musiker, die nicht nur die Liebe zur Blasmusik, ihre gemeinsame
Herkunft, einen sehr ausgeprägten Humor und Feierlaune bis spät in die
Nacht, sondern auch eine ausgesprochene Herzlichkeit verbindet,
verbringen zusammen mit ihren Frauen und Familien drei schöne Tage im
urigen Vorderbüchelberg.
Neben intensiver Probenarbeit, die vom lateinamerikanischen Tango bis
zur böhmisch-märischen Blasmusik alle Facetten der Unterhaltungsmusik
bot, stand vor allem die Pflege der Gemeinschaft im Vordergrund. Dazu
hatten die Musiker sowohl in den Proben Gelegenheit, während die Frauen
gemeinsam die Gegend erkundeten, als auch beim gemeinsamen Beisammensein
zu den Mahlzeiten und abends.
Einen Reingschmeckten wie mich, der dem Sächsischen nicht mächtig ist,
stellte der gemeinsame Umgang nicht vor große Probleme. Nicht zuletzt
aufgrund der großen Herzlichkeit aller und ihrem Bemühen nicht ins
Sächsische zu wechseln, entwickelten sich sowohl nette Gespräche und
Unterhaltungen als auch die eine oder andere Lektion im Zeidner Dialekt.
Der Samstag stand auch im Zeichen des 70. Geburtstags von Peter Kaufmes,
der uns nach zwei Probeneinheiten nachmittags mit leckerem Kuchen
verwöhnte. Dass die gute Verpflegung im Gasthaus „Zum Goldenen Ritter“ nie zu kurz kam, wurde an dieser Stelle einmal mehr deutlich. Fast
nahtlos ging das Kaffeetrinken ins Abendessen über, bei dem wir erneut
mit hausgemachten Spezialitäten bewirtet wurden.
Im Anschluss zeigte sich die enorme Wandlungsfähigkeit des Reinhard
Göbbel. Neben seinem musikalischen Können als Flügelhornist wusste er
auch als Entertainer und Moderator zu überzeugen und unterhielt mit
seiner spontan zusammengestellten Wirtshausbläsergruppe die
Gesellschaft bestens auf bayrische Art und Weise. Das offizielle
Programm ließen wir mit Heimatliedern, den Abend mit Akkordeon-,
Gitarren, Schlagzeug- und Gesangseinlagen ausklingen. Nach kurzer
Nachtruhe traf man sich Sonntag früh wieder zum gemeinsamen Musizieren.
Erneut standen die beiden Dirigenten Brunolf Kauffmann und Werner
Schullerus abwechselnd vor der Kapelle, um die Musiker in ihrem Spiel
anzuleiten und auf die diesjährigen Auftritte in München und
Friedrichroda vorzubereiten. Vor allem in den Proben offenbarte sich die
humorvolle Art der Zeidner, da die Arbeit durch viele Anekdoten
aufgelockert wurde.
Mit dem Versprechen sich in München wiederzusehen, verabschiedeten sich
alle im Anschluss an die Probe voneinander und auch bei mir stellte sich
das Gefühl ein, von dem mir viele erzählten: „Wenn man einmal dabei war, muss man immer wieder kommen.“
*Rein|ge|schmeck|te, der u.die: -n, -n (schwäb. Für Ortsfremde[r],
Zugezogene[r])
Tobias Hartling, Freund von Heinke Roth (Tochter von Peter Roth)